Seit 20 Jahren nicht beworben

Heute war eine Klientin bei mir, die sich nach 20 Jahren in einem Beruf, den sie immer weniger mochte, zu einem völligen Richtungswechsel entschlossen hat. Zunächst hat sie neben ihrem Hauptberuf mehrere Jahre lang Fortbildungen im psychologisch-therapeutischen Bereich besucht, weil diese Themen sie schon immer begeistert haben. Sie hatte gehofft, dass sie durch diesen Ausgleich zufriedener bei der Arbeit wird. Und natürlich konnte sie sich die Fortbildungen dadurch auch leisten. Eine Ausbildung zur Yogalehrerin mündete schließlich in einer nebenberuflichen Selbständigkeit und der freiberuflichen Leitung von Yogakursen. Allerdings fühlte sie sich in Ihrem Hauptberuf immer weniger wohl, vor allem wurde das kollegiale Miteinander immer belastender. Sie ging mit Magenschmerzen zur Arbeit. Letztendlich hat sie die Konsequenz gezogen, den Job gekündigt und eine dreijährige Ausbildung an einer Therapieschule begonnen, die sie größtenteils mit ihren Honoraren als Yogalehrerin finanzieren konnte. Glücklicherweise hatte sie sich dort vorher schon einen sehr guten Ruf erarbeitet.

Das ist übrigens etwas, worüber ich mit den meisten meiner KlientInnen erst einmal  sprechen würde, bevor sie ihren Brotjob an den Nagel hängen. Können Sie nicht Dinge, die Sie lieben, als Ausgleich machen? Oder ein Hobby oder eine Sache, mit der Sie sich gut auskennen, zu einem nebenberuflichen Verdienst machen (falls es nicht nur um den Spaß an der Sache geht)? Dann gehen Sie kleinschrittig vor, probieren Dinge erst einmal aus und wissen danach viel besser, worauf Sie sich einlassen. Eine völlige berufliche Umorientierung kann in den seltensten Fällen von heute auf morgen realisiert werden. Wenn die Arbeit allerdings permanente Magenschmerzen verursacht und Ihnen bereits die Kraft raubt, ist das ein anderes Thema.

Zurück zu meiner Klientin. Sie hat ihre Ausbildung vor kurzem erfolgreich beendet und sucht nun eine Stelle in diesem Bereich. Weil sie sich aber seit über 20 Jahren nirgendwo beworben hat, ist sie mit den aktuellen Bewerbungsstandards überhaupt nicht mehr vertraut. Tough wie sie ist, hat sie sich Muster für Anschreiben und Lebensläufe  im Internet zusammen gesucht und daraus eine Bewerbung zusammengestellt. Die hat sie mir heute per E-Mail zugeschickt und es gab doch einiges an Verbesserungspotenzial. Nicht zuletzt auch, weil sie sich den Umgang mit Word in Eigenregie beigebracht hat (Hut ab!) und viele praktische Formatierungsmöglichkeiten gar nicht kennt.

Zunächst habe ich den Lebenslauf neu layoutet, ihn mit einem Briefkopf versehen, den sie auch für das Anschreiben benutzen kann, und ihn auf die antichronologische Reihenfolge umgestellt. Im Anschluss daran haben wir uns zu einer persönlichen Beratung getroffen und gemeinsam für die Bewerbung nicht relevante Angaben herausgenommen und andere wichtige ergänzt. Danach haben wir anhand einer aktuellen Stellenanzeige das Bewerbungsschreiben neu formuliert und auf einen professionellen, aussagekräftigen Stand gebracht. In diesem Fall musste zusätzlich noch das Bewerbungsfoto aufgebessert werden, also habe ich es mit Einverständnis der Klientin in einem Bildbearbeitungsprogramm überarbeitet. Das Foto war zum Glück dafür geeignet, normalerweise rate ich aber zu einem professionellen Bewerbungsfoto vom Fotografen … Zuletzt sind wir noch die Anlagen durchgegangen und haben für die Stelle unwichtige Zeugnisse und Zertifikate aussortiert.

Diesen Prozess durchlaufe ich in ähnlicher Form mit den meisten meiner KlientInnen. In diesem Fall hatten wir einen persönlichen Beratungstermin. Wenn Sie nicht in der Nähe wohnen, kann die Beratung aber genauso effektiv über Telefon oder Skype stattfinden.

Trotz der nicht ganz so professionellen Unterlagen hatte meine Klientin bereits Vorstellungsgespräche, allerdings nur bei kleineren Institutionen. Auch ein Stellenangebot war schon dabei herausgekommen. Sie hat allerdings ein sehr schlechtes Bauchgefühl und findet die Stelle aus unterschiedlichen Gründen nicht sehr passend. Andererseits möchte sie unbedingt endlich einschlägige Berufserfahrung in dem neuen Bereich sammeln. Ich weiß aus Erfahrung, dass es wichtig ist, auf das Bauchgefühl, auf die eigene Intuition zu hören. Wir sind das Für und Wider gemeinsam durchgegangen. Diese Stelle wird schon seit geraumer Zeit immer wieder ausgeschrieben und hat eine hohe Fluktuation. Auch gefiel ihr die gesamte Atmosphäre dort gar nicht. Meine Klientin hat sich dann entschlossen, sich weiter zu bewerben. Zum einen sucht sie erst seit wenigen Wochen, zum anderen spricht es für ihre gute Qualifikation, dass sie schon mehrfach eingeladen wurde. Und mit den neuen, professionellen Bewerbungsunterlagen fühlt sie sich viel sicherer.

Am Ende des Gespräches teilte sie mir mit, dass sich das Coaching bei mir auf jeden Fall gelohnt hat. Sie hat jetzt einen professionell gestalteten Lebenslauf und ein Bewerbungsschreiben, das sie eigenständig auf die jeweiligen Stellenausschreibungen anpassen kann. Außerdem fühlt sie sich ermutigt und gestärkt und kann sich mit neuem Schwung weiter bewerben.

Wir haben vereinbart, dass sie sich bei mir meldet, wenn sie eine Vorbereitung auf kommende Vorstellungsgespräche benötigt.

Ich bin sehr gespannt, was dabei heraus kommt und wünsche ihr von ganzem Herzen viel Erfolg!

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